Pressemitteilung —
Leise Gefahr Bluthochdruck: Mit Blutdruck-Check vor Risiken schützen
Herzschwäche, Vorhofflimmern, Schlaganfall: Ursache ist häufig ein über Jahre unbemerkter Bluthochdruck. Wer früh seinen Blutdruck misst und handelt, kann Herz und Hirn vor Komplikationen schützen – Infopaket zum Welthypertonietag
(Frankfurt a. M., 13. Mai 2026) Über 20 Millionen Menschen haben in Deutschland einen hohen Blutdruck, das ist etwa jeder dritte Erwachsene. Und die Dunkelziffer ist hoch: Jeder Fünfte weiß nichts von seiner Erkrankung. Und zehn Prozent derer, die von ihrem hohen Blutdruck wissen, lassen ihn nicht behandeln. Dabei ist Bluthochdruck keineswegs eine Bagatelle, sondern weltweit der häufigste und relevanteste Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (1). Ein dauerhaft unzureichend oder nicht behandelter Bluthochdruck kann zu Herzerkrankungen wie Herzschwäche (Herzinsuffizienz) und Vorhofflimmern oder zu schweren Komplikationen wie Schlaganfall (Hirnblutung/Hirninfarkt), Herzinfarkt oder Nierenversagen führen. „Hinzu kommt: Der hohe Blutdruck macht sich nicht unbedingt mit Beschwerden bemerkbar, obwohl Organe möglicherweise bereits geschädigt sind. Das macht ihn so tückisch“, warnt der Kardiologe Prof. Dr. Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Bei Personen mit dauerhaft erhöhtem Blutdruck kann sich der Körper sogar an den hohen Druck gewöhnen: „Man kann sich trotzdem gut fühlen und im Alltag mithalten“, erklärt Prof. Voigtländer. „Wenn sich Beschwerden wie Schwindel, Ohrensausen oder Kopfschmerzen bemerkbar machen, ist es leider meistens zu spät, weil Gefäße und Organe schon geschädigt sind.“
Um möglichst alle Menschen zu motivieren, ihren Blutdruck regelmäßig zu messen und frühzeitig Bluthochdruck zu erkennen, rufen die Deutsche Herzstiftung, der Bundesverband der Niedergelassenen Kardiologen (BNK) und die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände zum Welthypertonietag (17. Mai) zum Blutdruckmessen auf. Unter dem Motto „Lass‘ Dich checken!“ steht unter https://herzstiftung.de/welthypertonietag ein kostenfreies Infopaket rund um den Bluthochdruck zur Verfügung. Das Paket hilft Interessierten wie Betroffenen, selbst aktiv zu werden, ihren Blutdruck richtig zu messen und sich so optimal vor den Folgen der Volkskrankheit zu schützen.
Beste Vorsorge: Blutdruckmessen und richtig handeln
„Wer frühzeitig seine Herz-Risiken wie erhöhte Blutdruckwerte kennt, kann noch gut durch Lebensstilmaßnahmen und gegebenenfalls eine medikamentöse Therapie der gefäßschädigenden Wirkung des Bluthochdrucks gegensteuern“, bestätigt der Kardiologe Dr. Norbert Smetak, Bundesvorsitzender des BNK mit eigener kardiologischer Arztpraxis in Kirchheim Teck. „Das gilt genauso für weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren wie erhöhte LDL-Cholesterin- und Blutzuckerwerte“, unterstreicht der BNK-Vorsitzende. Erhöhtes LDL-Cholesterin und Diabetes mellitus sind wie Bluthochdruck als leise Gefäßkiller besonders gefährlich und ebenso Hauptrisikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall. Dass es für Präventionsmaßnahmen nie zu spät ist, hat eine internationale Studie (2) jüngst zeigen können: Wer im Alter von 50 Jahren einen normalen Blutdruck, normale Cholesterinwerte und ein gesundes Körpergewicht hat, nicht raucht und nicht an Diabetes erkrankt ist, bleibt im Vergleich zu Personen mit allen fünf Risikofaktoren länger von Herzkrankheiten verschont und lebt insgesamt länger. „Auch im mittleren Alter lohnt es sich noch immer, seine Risikofaktoren anzugehen und zu behandeln: medikamentös und – ebenso wichtig – mit Lebensstilmaßnahmen. Damit lassen sich mehr Lebensqualität und ein Plus an Lebensjahren gewinnen“, so der BNK-Vorsitzende Smetak.
Trotz Behandlung keine guten Werte – was tun?
Je nach Höhe des Blutdrucks, kann zunächst versucht werden, nur durch Änderungen des Lebensstils – Verzicht aufs Rauchen, mehr Bewegung und gegebenenfalls Gewichtsreduktion – die Werte ausreichend zu senken. Vor allem bei Patienten mit erhöhten Werten im Bereich von 120-139/70-89 mmHg ist zunächst eine Änderung des Lebensstils als alleinige Maßnahme angezeigt. Doch häufig ist es nicht möglich, durch eine gesunde Lebensweise auf die Einnahme von Blutdrucksenkern zu verzichten. Dann komme es beim Bluthochdruck – wie auch bei anderen Herz-Risikofaktoren –, so Kardiologe Smetak, auf eine konsequente Therapie an.
Und trotzdem erreicht jeder zweite Hochdruckpatient trotz Behandlung keine guten Blutdruckwerte (2). Wie kann das sein? „Wer die Diagnose Bluthochdruck hat, sollte zunächst einmal seine Medikamente auch regelmäßig einnehmen und parallel dazu sein Risikoprofil mit Hilfe von Lebensstiländerungen anpassen. Kommt es zum Beispiel zu unerwünschten Wirkungen der Medikamente, dann sollten Patienten keinesfalls den Blutdrucksenker eigenhändig absetzen, sondern diese mit dem Hausarzt besprechen“, rät der Kardiologe. Die Arzt-Patienten-Kommunikation bei Therapieproblemen sei für den Erfolg der Behandlung besonders wichtig. Ursache von Nebenwirkungen können zum Beispiel Wechselwirkungen mit anderen Arzneien sein. Fehler bei der Medikamenteneinnahme wie die falsche Dosis oder andere lebensstilbedingte Faktoren wie eine zu hohe Salzzufuhr könnten wiederum manchmal erklären, warum der Blutdruck weiterhin zu hoch sei. Infos: https://herzstiftung.de/blutdrucksenker
Blutdruck messen und Herz-Risiko senken
ABDA-Präsident Thomas Preis betont, dass Apotheken „einen wichtigen Beitrag leisten, Patientinnen und Patienten mit erhöhten Blutdruckwerten zu identifizieren und ihnen eine zeitnahe ärztliche Untersuchung anzuraten“. Seiner Ansicht nach sind Apotheken auch eine ideale Brücke hin zum behandelnden Arzt, wenn Betroffene zwar in Behandlung wegen ihres Bluthochdrucks sind, aber nicht merken, dass ihre Werte nicht gut eingestellt sind. Die Überprüfung der Blutdruckeinstellung können Apotheken im Rahmen der pharmazeutischen Dienstleistung ,Standardisierte Risikoerfassung hoher Blutdruck‘ einmal pro Jahr bei Hochdruckpatientinnen und -patienten mit einer Beratung in Abhängigkeit der gemessenen Blutdruckwerte anbieten. Die altersabhängigen Empfehlungen zur Bewertung der gemessenen Blutdruckwerte in der Apotheke wurden gemeinsam von der ABDA, der Bundesapothekerkammer und der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK) entwickelt. Infos unter: https://www.abda.de/pharmazeutische-dienstleistungen/bluthochdruck/
„Bei erhöhten Blutdruckwerten kommt es entscheidend auf eine gute Verzahnung an: Die Apotheke identifiziert auffällige Werte und stößt die weitere ärztliche Abklärung beim Hausarzt oder gegebenenfalls Kardiologen an“, betont der Herzstiftungs-Vorsitzende Prof. Voigtländer.
Blutdruck messen: Wann, wie häufig?
Nach den Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) aus dem Jahr 2024 wird dazu geraten, dass Erwachsene unter 40 Jahren alle drei Jahre ihren Blutdruck checken lassen sollten. Ab 40 Jahren – vor allem bei Vorliegen von Risikofaktoren für Bluthochdruck oder Herzerkrankungen – sollte der Blutdruck einmal pro Jahr überprüft werden. Sollten bei einer Messung bereits leicht erhöhte Werte (120-139/70-89 mmHg) auffallen, ist die regelmäßige Kontrolle umso wichtiger. „Denn mit dem Alter wächst das Risiko für Bluthochdruck. Das trifft zum Beispiel Frauen nach den Wechseljahren oft ganz unbemerkt, obwohl zuvor ihre Werte stets in Ordnung waren“, erklärt der Herzstiftungs-Vorsitzende Prof. Voigtländer. Der Herzspezialist informiert unter https://herzstiftung.de/blutdruck-messen, worauf bei der Blutdruckmessung etwa beim Selbstmessen zu Hause genau zu achten ist.
(Wi)
Zusatzinformationen zum Bluthochdruck
Wie teilt der Arzt die Schwere eines Bluthochdrucks ein?
Für die Blutdruckwerte von Erwachsenen gilt folgende Einteilung der europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC 2024):
- optimal: <120 mmHg/<70 mmHg
- erhöhter Blutdruck: 120-139/70-89 mmHg
- Bluthochdruck Grad 1: 140-159/90-99 mmHg
- Bluthochdruck Grad 2: 160-179/100-109 mmHg
- Bluthochdruck Grad 3: >180/>110 mmHg
- isolierter systolischer Blutdruck: >140/<90 mmHg
Die Höhe des Blutdrucks zeigt an, wie gesund wir sind. Erstrebenswert sind bei Erwachsenen Blutdruckwerte von maximal 120/70 mmHg. Dieser Wert wird nicht in allen Leitlinien so eng gefasst. Doch gerade die aktuellen ESC-Leitlinien (2024) sind besonders streng. Hier werden bereits Werte zwischen 120-139/70-89 mmHg als erhöht eingestuft. Allen Leitlinien gemein ist jedoch: Bluthochdruck liegt definitiv bei Werten über 140/90 mmHg vor. Spätestens hier muss gehandelt werden. Infos: https://herzstiftung.de/was-ist-bluthochdruck
Für mehr Lebensjahre: Mach‘ den Herz-Kreislauf-Gesundheits-Check
Grundsätzlich sollte jeder Mensch den kostenfreien Gesundheits-Check wahrnehmen, der ab dem 18. bis zum 34. Lebensjahr einmalig und ab dem 35. Lebensjahr alle drei Jahre kostenfrei angeboten wird. Durchgeführt wird der Check von Allgemeinmedizinern, praktischen Ärzten und Internisten.
Über diesen Gesundheits-Check hinaus empfiehlt die Deutsche Herzstiftung, ab dem 35. Lebensjahr neben den Werten für Blutdruck, Cholesterin, Blutzucker, Körpergewicht auch einmalig den Lipidwert Lipoprotein (a), kurz Lp(a), bestimmen zu lassen sowie ein EKG (Elektrokardiogramm) in Ruhe und unter Belastung vornehmen zu lassen. Das Aufzeichnen der elektrischen Aktivität des Herzens ermöglicht es, Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern zu erkennen. Eine Ultraschalluntersuchung des Herzens ergänzt das Untersuchungsspektrum, um strukturelle Veränderungen zu erkennen. Ultraschalluntersuchungen der Halsschlagadern oder der Becken- und Beingefäße erlauben es darüber hinaus, frühzeitig Gefäßverkalkungen zu erkennen, die für die Betroffenen noch ohne Symptome sind, aber darauf hindeuten, dass auch in den Herzkranzgefäßen Ablagerungen vorhanden sind. Von vielen unterschätzt: Ein Rauchstopp schützt das Herz enorm und bringt einige Jahre an Lebensgewinn.
Infos-Service zum Welthypertonietag
Die Herzstiftung bietet anlässlich des Welthypertonietags ein kostenfreies Paket mit einer Vielzahl von Broschüren, die über den Bluthochdruck informieren. Das Infomaterial hilft dabei, selbst aktiv zu werden, den Blutdruck zu regulieren und seine Gesundheit optimal zu schützen. Jetzt Paket bestellen unter https://herzstiftung.de/welthypertonietag
Broschüre zu Bluthochdruck – die stille Gefahr
In der Broschüre „Bluthochdruck: Herz und Gefäße schützen“ informieren Bluthochdruckexperten laienverständlich über Ursachen, Diagnose und Therapie des Bluthochdrucks. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Prävention. Die 128 Seiten umfassende Broschüre kann bei der Herzstiftung kostenfrei angefordert werden unter https://herzstiftung.de/bestellung oder per Mail unter bestellung@herzstiftung.de oder Tel. 069 955128-400.
Literatur
(1) J Am Coll Cardiol. 2025 Dec 2;86(22):2167-2243. doi: 10.1016/j.jacc.2025.08.015. Epub 2025 Sep 24.
(2) World Health Organization (WHO), WHO Global report on hypertension 2025: high stakes: turning evidence into action
(3) Magnussen C. et al. (2025): Global Effect of Cardiovascular Risk Factors on Lifetime Estimates. doi: 10.1056/NEJMoa2415879
Presse-Kontakt:
Deutsche Herzstiftung e. V., Pressestelle: Michael Wichert (Ltg.), Pierre König, Tel. 069 955128-114/-140, E-Mail: presse@herzstiftung.de, Website: www.herzstiftung.de
ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e.V., Pressesprecher: Benjamin Rohrer, Tel. 030 4000 4132, E-Mail: presse@abda.de, Webseite: www.abda.de
Bundesverband Niedergelassener Kardiologen (BNK), Pressestelle, Pressesprecher Dr. Heribert Brück, E-Mail: presse@bnk.de, Website: www.bnk.de
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Die Deutsche Herzstiftung e. V. wurde 1979 gegründet und ist heute die größte gemeinnützige und unabhängige Anlaufstelle für Patienten und Interessierte im Bereich der Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zu den Hauptaufgaben der Herzstiftung gehört es, Patienten in unabhängiger Weise über Herz-Kreislauf-Erkrankungen, deren Vorbeugung sowie über aktuelle Diagnose- und Therapiemöglichkeiten aufzuklären. Bekannt ist die Herzstiftung außerdem durch ihre bundesweiten Aufklärungskampagnen und als wichtige Förderinstitution in der Herz-Kreislauf-Forschung. Die hohe Qualität ihrer Informationsangebote beruht nicht zuletzt auf der Expertise der rund 500 Herzspezialisten im Wissenschaftlichen Beirat der Herzstiftung. Vorstandsvorsitzender ist der Kardiologe Prof. Dr. Thomas Voigtländer (Frankfurt am Main), Schirmherrin ist Barbara Genscher.