Direkt zum Inhalt springen
© Thomas Reimer − stock.adobe.com

Pressemitteilung -

Gehle: „Für uns geht es immer noch um primärärztliche Versorgung“

Kammerversammlung der ÄKWL berät über Versorgung der Zukunft

Die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) trägt nach Aussage ihres Präsidenten Dr. Hans-Albert Gehle das vom Land NRW vorgelegte Eckpunktepapier für eine zukunftsfeste ambulante medizinische Versorgung grundsätzlich mit, stimmt aber nicht in allen Punkten zu. Zur Eröffnung der Kammerversammlung der ÄKWL sagte Gehle: „Kritisch sehen wir etwa den Begriff der ,Primärversorgungspraxis‘. Das Wort ,Arzt‘ taucht dort gar nicht mehr auf, das Ziel einer primärärztlichen Versorgung wird von vornherein relativiert.“ Die bisher klassische Organisation, die vor allem das ärztliche Personal in den Vordergrund stellt, sei gemäß NRW-Papier kein attraktives Zukunftsmodell mehr, weder für Nachwuchsärzte noch für andere Praxisberufe, beklagt der Kammerpräsident. „Das sehe ich anders!“

Zwar gewinne in den Praxen Arbeitsteilung eine immer größere Bedeutung, dies werde jedoch mit der Delegation von Aufgaben an qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verwirklicht. Zudem, betont Gehle, habe die Kammer immer wieder unterstrichen, dass es am Ende Ärztinnen und Ärzte seien, die die Gesamtverantwortung trügen. „Für uns geht es immer noch um primärärztliche Versorgung – mit Betonung auf ärztlich“.

Problematisch erscheine auch die Betonung des Praxisteam-Gedankens, ohne dass zuvor – wie etwa im Fall der Physician Assistants – eine klare Rollenverteilung der Gesundheitsfachberufe vorgenommen werde. „Zumindest müssen wir die Fokussierung des Eckpunkte-Papiers auf die Rolle der hausärztlichen Praxen hinterfragen: Hier sollte nach unserer Ansicht sinnvollerweise der Anteil fachärztlich geleisteter Primärversorgung besser berücksichtigt werden.“

Gehle weiter: „Patientensteuerung und Ersteinschätzung gehören eng zusammen, um Menschen in die für sie geeignete Versorgung zu leiten. Diese Versorgung muss nicht zwingend immer darin bestehen, dass man noch in derselben Stunde ärztlich gesehen wird. Oft wird eine Ersteinschätzung ergeben, dass kein direkter Arztkontakt nötig ist.“ Wichtig dabei sei zu vermitteln, dies bedeute nicht, dass ein Patientenanliegen nicht ernst genommen werde. Wer gesundheitlichen Rat suche, der müsse selbstverständlich Hilfe und Unterstützung bekommen. „Patientinnen und Patienten erwarten einen Arzt-Patienten-Kontakt. Wenn nicht direkt, dann doch im weiteren Verlauf einer Behandlungskette, wenn sich herausstellt, dass es ohne Arztkontakt nicht geht.“

In vielen Fällen aber werde Hilfe zunächst einmal sogar digital möglich sein, wie es andere Länder wie Finnland längst vormachten. „Das weist die Richtung: Es geht nicht nur um Ersteinschätzung und Steuerung, sondern um viel mehr. Da kann etwas entstehen, das ich einmal ,Tor zu qualitativ hochwertigen Gesundheitsleistungen‘ nennen will. Ein Tor, hinter dem sich Steuerungselemente ebenso finden wie Beratungselemente und etwa die Möglichkeit der Terminvergabe.“

Der Wandel von Strukturen ist nach Ansicht des Kammerpräsidenten dringend nötig, werde aber Jahre brauchen. „Wir sprechen hier über Gewohnheiten, die über Jahrzehnte eingeübt sind und ebenfalls sehr langlebig sein werden. Die Überlastung unserer Notaufnahmen, unserer Praxen und Kliniken und vor allem der Menschen, die in ihnen arbeiten, lässt jedoch keine Alternative.“ Nötig sei eine überzeugende Kommunikationsstrategie, die Patientinnen und Patienten die Vorteile effektiver Steuerung vor Augen führe. Die Menschen müssten erkennen und darauf vertrauen können, dass das Akzeptieren von Steuerung für sie der beste Weg zum Ziel sei.

Hintergrund: Anfang März 2026 hat NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann gemeinsam mit Vertretern von KVen und Krankenkassen ein Eckpunktepapier für ei-ne zukunftsfeste ambulante medizinische Versorgung in Nordrhein-Westfalen vorgestellt. Dieses Papier umfasst 15 Maßnahmen für Strukturreformen, die vom Ministerium gemeinsam mit relevanten Akteuren des Gesundheitswesens seit 2024 herausgearbeitet wurden. Ein Kernelement ist dabei die Steuerung des Zugangs zur Versorgung über eine verbindliche Ersteinschätzung. Auch im Verlauf der Behandlung sollen Koordination und Steuerung der Patientinnen und Patienten gestärkt werden.

Themen

Kategorien


Gute Medizin braucht ärztliche Qualität.
#Kammerkann

Kontakt